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Wetterfrosch und Osterhase


Jedes Jahr im Frühling ist Zukunftstag. Auch bei den Naturpark-Entdeckern. Die Freunde haben sich für einen Tag einen Beruf ausgesucht, den sie sich einmal genauer anschauen wollten. Hinterher mussten sie für die Schule einen Bericht schreiben. Die Berichte von Henriette Hase, Lasse Laubfrosch, Ferdinand Fischadler und Igor Igel könnt ihr hier nachlesen.

Igor Igel schrieb:
„Das Beste an dem Beruf, den ich mir für den Zukunftstag ausgesucht hatte, war, dass wir Matratzen testen mussten. Als Produkttester muss man alles möglich ausprobieren. Manchmal hat man Glück und man darf Eissorten vergleichen. Aber manchmal muss man auch so fiese Dinge testen wie diese Haarentferner-Geräte. Für den Zukunftstag hatte sich der Chef-Produkttester Herr Waschbär, der mich betreut hat, den Matratzentest aufgehoben. Herr Waschbär sollte zwanzig verschiedene Matratzen vergleichen.
Wenn man etwas testet, muss man sich zuerst immer überlegen, worauf es bei dem Produkt ankommt und welche Eigenschaften man vergleichen will. Das ist schon gar nicht so einfach, wie es klingt. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass es bei Cornflakes auch auf das Geräusch ankommt, das die Cornflakes beim Kauen im Mund machen. Das finde ich sehr interessant. Leider haben Herr Waschbär und ich am Zukunftstag kein Essen getestet. Aber Matratzen zu testen hat auch viel Spaß gemacht.


Wenn man sich also gründlich überlegt hat, worauf man beim Test achten muss, macht man sich daraus eine Checkliste. Wie er die Matratzen testen wollte, hatte sich Herr Waschbär schon vorher überlegt. Der Plan sah vor, dass auf jeder Matratze ein Testschläfer eine Viertelstunde schlafen und danach einen Fragebogen ausfüllen sollte. Damit man nicht irgendwann vom vielen Liegen Rückenschmerzen bekommt und die Test-ergebnisse falsch ausfallen, weil an den Rückenschmerzen ja gar nicht die Matratze Schuld ist, haben wir uns immer abgewechselt.
Erst hat Herr Waschbär eine Matratze getestet und ich musste ihn nach einer Viertelstunde wecken. Sofort nach der Prüfphase musste der Testschläfer den Fragebogen für die Matratze auf einem Klemmbrett ausfüllen. Da wurde zum Beispiel nach dem Hautgefühl der Matratze gefragt, nach der Härte und der Stützfunktion. Und wie man sich beim Aufwachen gefühlt hat. Anschließend wurde getauscht und ich durfte dieselbe Matratze ein zweites Mal testen. Herr Waschbär meinte, dass er später aus den beiden Testergebnissen einen Mittelwert macht. Meine Meinung über die Matratzen wird also später mal tatsächlich im Abschlussbericht auftauchen. Alle getesteten Matratzen waren gut, aber meine Lieblingsmatratze ist die „Dream Fit 5000“.
Eigentlich ist Produkttester ein schöner Beruf. Anstrengend war nur, dass wir die Matratzen auch selbst in verschiedenen Läden einkaufen und zum Testlabor tragen mussten. Besonders gefallen hat mir Herr Waschbärs Dienstkleidung. Zum Matratzentest haben wir nämlich Pyjamas getragen. Aber ich darf nicht schreiben, was auf Herr Waschbärs Pyjama aufgedruckt war. Das musste ich ihm versprechen.
Mit Herrn Waschbär zusammen zu arbeiten, hat mir wirklich viel Spaß gemacht. Ich könnte mir schon vorstellen, später mal Produkttester zu werden.“


Ferdinands Bericht fiel eher kurz und wenig begeistert aus: „Ich habe den Zukunftstag bei der Feuerwache verbracht. Da steht man den ganzen Tag auf dem Ausguckposten hoch über den Bäumen und guckt bloß so herum. Man muss aufpassen, ob man irgendwo Rauch aufsteigen sieht und ob es irgendwo brennt. Im Frühling brennt es aber ziemlich selten. Das passiert eigentlich nur im Sommer, wenn es lange heiß und trocken war. Im Frühjahr ist es bei der Feuerwache langweilig. Wir haben nicht ein einziges Rauchwölkchen am Himmel gesehen. Der Bussard, mit dem ich zusammen im Ausguck war, sagte mir, das wäre meistens so. Ich habe mir den Beruf ganz anders vorgestellt. Ich dachte, dass man auch Streife fliegen muss und dass das alles irgendwie spektakulärer wäre. Jetzt glaube ich aber, der Job wäre mir auf Dauer zu öde. Nächstes Mal am Zukunftstag mache ich irgendwas auf dem Flughafen.“

Lasse Laubfrosch absolvierte den Zukunftstag bei seinem Vater: „Mein Vater arbeitet als Wetterfrosch. Da muss er den ganzen Tag in einem Glas sitzen und je nachdem, wie das Wetter ist, auf eine Leiter verschieden hoch klettern oder unten am Boden sitzen bleiben. Als ich beim Zukunftstag bei ihm war, hat er mir zuerst erklärt, woher ich erfahren kann, wie das Wetter draußen ist. Das Wetterfrosch-Glas steht nämlich in einem naturkundlichen Museum in der Abteilung über Wetterphänomene. Man kann von dort nicht nach draußen sehen. Also hat mein Vater ein kleines Funkgerät in der Hosentasche, über das ihm ein Kollege die Wetterdaten durchsagt. Alle fünf Minuten werden meinem Vater die Temperatur, der Luftdruck und die Luftfeuchtigkeit angesagt und er muss dann ganz schnell überlegen, wo ein Wetterfrosch sitzen würde. Das muss er aber alles im Kopf berechnen. Man muss also schon ein bisschen Grips haben, um Wetterfrosch zu werden.


Wichtig ist auch noch, dass man, wenn man seine Position auf der Leiter verändert, ein „Quark“ von sich gibt. Wenn man als Wetterfrosch etwas drauf hat und Berufsehre, wie mein Vater sagt, achtet man auch darauf, dass das „Quark“ gut gelaunt klingt, wenn das Wetter besser wird, und etwas deprimiert, wenn es schlechter wird. Das fand ich am schwierigsten. Es ist nämlich so, dass man bei gutem Wetter die Leiter hoch klettern muss. Weil ich auf der schmalen Leiter ein bisschen Höhenangst hatte, bin ich gar nicht gerne weit oben gewesen. Mein Vater hat zu mir gesagt, dann müsse ich eben mein schauspielerisches Talent nutzen, um gute Laune vorzutäuschen. Zuerst habe ich das nicht so gut hingekriegt, weil mir schwindelig war, aber es wurde immer besser. Ich habe trotzdem gehofft, dass es bald wieder schlechteres Wetter gibt. Deswegen glaube ich, dass Wetterfrosch nichts für mich ist.“

Henriettes Eltern arbeiten in der Ostersaison als Osterhasen. Henriette berichtete: „Jetzt weiß ich, warum mein Papa öfter mal Rückenschmerzen hat. Als Osterhase muss er sehr viel tragen können. Meine Eltern haben es zum Glück so einrichten können, dass sie als Team arbeiten. Mein Papa trägt meistens die Ostereier in einem Korb auf dem Rücken, während meine Mama die Eier versteckt. Wenn Papa Rückenschmerzen kriegt, tauschen sie kurz. Aber Mama kann nicht so lange tragen.


Als ich beim Zukunftstag bei den Osterhasen war, bin ich zusammen mit meinen Eltern auf Verstecktour gegangen. Ich habe auch einen eigenen Eierkorb bekommen, aber den haben sie mir natürlich nicht ganz voll gemacht. Trotzdem war ich nach zwei Stunden ziemlich kaputt und verschwitzt. Aber Papa sagt, da gewöhnt man sich dran.
Wir haben für ein ganzes Dorf die Ostereier versteckt. Das Ausdenken der Verstecke macht viel Spaß. Mama hat dafür richtig gute Ideen. Ein paar Schokoladeneier haben wir sogar im Hühnerstall versteckt. Die Hühner musste meine Mama aber erst davon überzeugen, dass das keine richtigen Eier sind, die wir ihnen unterschummeln wollen. Zum Glück wusste eine Henne, was Ostern ist. Sonst hätte es bestimmt nicht geklappt. Ich habe an diesem Vormittag über 100 Eier versteckt.
Die meisten Ostereier sind heutzutage aus Schokolade oder Marzipan. Gekochte Eier gibt es nicht mehr so viel. Aber weil diese meistens bunt gefärbt oder bemalt werden, sind sie am schönsten, finde ich. Bevor mein Arbeitstag zuende war, durfte ich dem Malteam noch eine Weile über die Schultern sehen und sogar ein Osterei selbst bemalen. Das hat mir sogar noch mehr Spaß gemacht als das Verstecken. Nächstes Jahr will ich wieder Ostereier bemalen! Auf jeden Fall!“

Quelle:
Ina Wosnitza
Naturschutz & Naturparke, Heft 225
Mitgliederzeitschrift des Vereins Naturschutzpark e.V. (VNP)
>www.verein-naturschutzpark.de


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